Im Gedächtnis behalten

Mein Vater hatte einen Traktor. Ich entsinne mich, dass er mich und meine zwei jüngeren Brüder zum Schulbeginn mit diesem Traktor in die Kirche hingefahren hat. Ich entsinne mich, dass mein Vater Oberlippenbart hatte, unter dem ich oft ein schönes Lächeln gesehen habe. Erst jetzt weiß ich, wie wertvoll diese Erinnerungen für mich bleiben wird.

 

Ich entsinne mich, dass es Dienstag war. Ein schöner Tag begann. Auf dem Dorf, wo ich früher gewohnt hatte, haben alle Menschen noch ruhig geschlafen. Niemand hat etwas Böses vermutet.

  • Hallo, Kasia! – Meine Mutter hat mich nie so früh angerufen. Beim Telefongespräch hatte sie sehr traurige Stimme. Die war nicht mehr so fröhlich wie immer.
  • Mutti, was ist passiert? – Ich habe flüsternd gefragt.
  • Kasia, dein Vater ist gestorben – Ich habe in kurzer Antwort von ihr gehört.
  • Ok, Vater ist im Krankenhaus, aber was ist passiert? – Ich habe diese Nachricht nicht verstanden und meine Mutter weiter gefragt.
  • Nein, Kind. Dein Vater ist im Haus. Er ist gestorben. – Die Mutter hat mir mit Wehmut in der Stimme gesagt.

 

Ich konnte nicht die Worte der Mutter zur Kenntnis nehmen. Mein Vater war doch immer in unserem Haus. Jetzt verlässt er uns für immer? Ich entsinne mich, als ich nach Hause zurückgekommen war, lag er auf seinem Bett. Es schien mir, als ob er noch schlafen würde. Die Tränen rannten über  mein Gesicht. Meine Mutter war sehr oft ins Ausland zur Arbeit gereist, weil wir Geld brauchten. Mein Vater hat versucht, unsere Mutter in dieser Zeit zu ersetzen. Er hat für uns gekocht. Er hat sich um unser Haus gekümmert. Er hat mit seinem Traktor immer anderen auf dem Dorf geholfen. Im Herbst war er beim Kartoffelroden beschäftigt, im Sommer mähte er die Wiesen ab. Das alles habe ich noch frisch im Gedächtnis.

Und jetzt? Wir müssen unseren Vater in eine andere Welt geben.

Wir haben ihm den Nagel zum Knopfloch gesteckt. Die weiße Blumen am Sargdeckel und die herzzerreißende Stille sind heutige Erinnerungen. Es blieb mir nichts anderes übrig.

 

Mir bleibt nur eine Frage: Warum so schnell, Papi?

 

Die Erzählung wurde dem verstorbenen Nachbarn gewidmet.

 

Fot.: Agnieszka Czech

 

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Natalia Nigborowicz

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Jestem Natalia, pasjonują mnie podróże i odkrywanie świata. Wolny czas chętnie poświęcam dobrej książce. Zawsze przegrywam z kawałkiem czekolady.
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