Cäcilia Wosnitzka kommt aus Süddeutschland und studiert seit 2012 Kulturwissenschaften an der Universität in Hildesheim. Seit zwei Wochen ist sie in Polen. In Lublin macht sie für ein halbes Jahr einen Intensiv-Sprachkurs der Polnischen Sprache, obwohl sie findet, dass Polnisch eine sehr schwierige Sprache ist.

N: Cäcilia – warum Polen und warum bist du hier?
C:
Das ist eine gute Frage, die ich nicht rational beantworten kann. Die Entscheidung hierher zukommen, war vielmehr ein Bauchgefühl dem ich gefolgt bin. Ich finde Polnisch klingt unglaublich schön und außerdem habe ich oberschlesische Wurzeln.

N: Fühlst du dich glücklich, dass du Frau bist?
C:
Ja, ich glaube schon. Auch, wenn ich als Frau in der Gesellschaft immer wieder in unangenehme, diskriminierende Situationen komme. Toll ist es an einem Tag, wie dem morgigen, den Zusammenhalt von Frauen auf der ganzen Welt wahrnehmen zu können. Ich glaube ich bin gerne eine Frau. Ich bin keine typische Frau. Oder genauer gesagt, ich bemerke immer wieder, dass ich dem gesellschaftlichen Bild von Weiblichkeit nicht entspreche. Zum Beispiel trage ich lieber selbst schwere Dinge, als dass ich sie mir tragen lasse.

N: Wo liegt die Unterschied zwischen Polnischen und Deutschen Frauen?
C:
Gibt es den? Ich glaube, man kann nicht generalisierend von „den“ Deutschen oder „den“ Polnische Frauen sprechen. Ich habe aber das Gefühl, hier bestimmte Rollenmuster noch nicht verstanden zu haben. Ich bin zwar erst seit 2 Wochen hier, aber es gibt schon Kleinigkeiten, die mir auffallen. Zum Beispiel, dass polnische Männer Frauen grundsätzlich die Tür aufhalten. Ich habe dann einmal versuchsweise ausprobiert, was passiert wenn ich stehen bleibe und sagen „Bitte, geh du zuerst durch die Tür.“ Dann sagte er „Nein, bitte.“ Dann sage ich „Nein, bitte, nach dir.“ und er wieder „Nein, bitte nach dir.“ und dann stehen wir da eine Stunde und diskutieren (lacht).

N: Der 8. März ist der Internationale Frauentag. Wie wird dieser in Deutschland gefeiert?
C:
Für mich, es ist weniger ein Feiern, als ein sich bewusst werden, der Bedeutung dieses Tages und der feministischen Geschichte. Das wird, für mich, immer wichtiger, in Anbetracht der stärker werdenden rechts-populistischen Organisationen und Parteien in Deutschland und Europa. Denn diese konservativen Parteien, propagieren auch bestimmte konservative Frauenbilder. Zum Beispiel die Frau als Mutter, als Zuständige für den Haushalt und als Ehefrau. Ich glaube, das sind Frauenbilder, die nicht übereinstimmen mit dem, wofür Frauen (und Männer) in den vergangenen 100 Jahren gekämpft haben. Unter anderem dafür, dass Frauen wählen und arbeiten dürfen und die Rechte auf Bildung, Selbstbestimmtheit und Gleichberechtigung. Wenn wir zurückkehren zu konservativen Ideen von Weiblichkeit, müssen wir vermutlich Abstriche machen, deswegen wird die Präsenz von Frauen gerade immer wichtiger. Und in Deutschland gibt es am Mittwoch viele Proteste und Demonstrationen.

N: Warum Proteste? Wogegen wird protestiert?
C:
Unter anderem, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Arbeit von Frauen  immer noch ca. 15% schlechter bezahlt wird, als die von Männern. Oder, z.B. dass Hausarbeit und Kindererziehung bisher nicht als Arbeit anerkannt werden, also auch nicht bezahlt werden. Das sind nur zwei von vielen Forderungen und dafür, finde ich, lohnt es sich auf die Straßen zu gehen.

N: Danke für dein Gespräch.
C: Ich habe zu danken.

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Natalia Nigborowicz

Natalia Nigborowicz

Jestem Natalia, pasjonują mnie podróże i odkrywanie świata. Wolny czas chętnie poświęcam dobrej książce. Zawsze przegrywam z kawałkiem czekolady.